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Mrz 13 2007

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Familiengeschichte Lambrecht 

Abgelegt unter Familiengeschichte

Das ist schon eine interessante Geschichte – die Geschichte einer Familie aus der Pfalz, die sogar schon mal einen Weltrekord geschafft hat (siehe Seite acht).

Geschichte der Familie Lambrecht in Clausen

Von Max Wittmann

Anhand von alten Urkunden, die das Bistumsarchiv und das Landesarchiv in Speyer zur Verfügung stellten, können wir die Familie Lambrecht über einen Zeitraum von 300 Jahren verfolgen.

Zunächst sollten wir den Familiennamen Lambrecht deuten: Nach dem „Deutschen Namenlexikon“ von Hans Bahlow (Keysersche Verlagsbuchhandlung München 1967) kommt Lambrecht (Lambrich) von dem germanischen Personennamen Land-berht (sprich: Landbercht), der als Heiligenname (Bischof Lambertus von Maastricht um 700) beliebt wurde. „Land“ bedeutet: Eigenland der Sippe und „berht“: glänzend. Lambrich oder Lambrech wird auch laut „Deutsches Namenlexikon“ mundartlich für Lemberg verwendet. Lambrech bedeutet deshalb auch: ein Mann aus Lemberg. Tatsächlich finden wir heute noch im französischen Lemberg, zehn Kilometer südwestlich von Bitsch, den Familiennamen Lambrech. In den ältesten Urkunden der Familie Lambrecht wird der Name auch ohne die Endung t, also „Lambrech“ geschrieben.

In der Kirchenchronik der katholischen Pfarrei Clausen finden wir zu Anfang des 19. Jahrhundertsden Vermerk, dass die Familie Lambrecht von einem Schäfer abstammt, der nach dem 30jährigen Krieg mit seiner Schafherde aus dem Elsaß kommend nach Schauerberg auf der Sickinger Höhe gezogen ist. Der Herkunftsort im Elsaß ist heute nicht mehr zu ermitteln. Ist es das französische Lemberg südlich von Bitsch? Oder kommen die Vorfahren aus dem Kanton Zürich in der Schweiz, wo in den Dörfern Illnau, Nüresdorf und Wallisellen die Familie Lamprecht alteingesessen ist? Im letzteren Fall wäre das Elsaß nur eine Zwischenstation gewesen. Diese Theorie vertritt das Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde in Kaiserslautern, mit dem ich darüber korrespondiert habe.

Im ältesten Kirchenbuch der katholischen Pfarrei Rodalben, das ab 1693 geführt wurde, finden wir den ersten Eintrag über die Familie Lambrech am 9.10.1696. Damals wurde in Rodalben die Tochter Margaretha der Eheleute Paul und Apollonia Lambrech aus Fröschen getauft. Die Taufurkunde lautet: „Annus Domini 1696: Die 9. Octobris, Margaretha filia legitima Pauli Lambrech et Apollonia conjugum in Fröschen. Levantibus: Philippo Wyk civis ex Eschweiler et Margaretha uxor Martini Wagner ex Fröschen.“ Zu deutsch: „Im Jahre des Herrn 1696 am 9. Oktober, Margaretha, eheliche Tochter von Paul Lambrech und seiner Ehefrau Apollonia in Fröschen. Paten: Philipp Wyk, Bürger aus Eschweiler und Margaretha, Ehefrau von Martin Wagner aus Fröschen.“

Der Stammvater ist demnach Johann Paul Lambrech, der als Schäfer aus dem Elsaß kam und zunächst in Fröschen im Schwarzbachtal mit seiner Familie seßhaft wurde. Er dürfte um 1665 geboren sein. Da keine gesicherten Erkenntnisse hierüber vorliegen, sind wir auf eine Schätzung angewiesen.

Am 31.7.1699 firmte der Bischof von Metz, Henry Charles du Cambout, Herzog von Coislin, in Rodalben 158 Amtsuntertanen des Gräfensteiner Amtes und der Grafschaft Hanau-Lichtenberg. Da während des 30jährigen Krieges keine Firmung stattgefunden hatte, war dies eine Erwachsenenfirmung. Auf der Firmliste aus dem Jahre 1699 sind auch Paul und Apollonia Lambrech aus der Grafschaft Hanau-Lichtenberg eingetragen.

Später zogen Paul und Apollonia Lambrech von Fröschen nach Schauerberg auf der Sickinger Höhe. Dort wurden der Sohn Johann Jakob und die Tochter Maria Walburga geboren. Die letzte Geburtsmeldung der Familie Lambrech in Schauerberg finden wir am 3.8.1710 im katholischen Kirchenbuch der Pfarrei Kirchenarnbach, zu der Schauerberg ab 1706 gehörte. Damals wurde die Tochter Regina getauft. Urkundlich sind vier Kinder bekannt:

  1. Margaretha, geb. 1696 in Fröschen, Taufe in Rodalben

  2. Johann Jakob, geb. um 1703 in Schauerberg, Taufe in Horbach

  3. Maria Walburga, geb. um 1705 in Schauerberg, Taufe in Horbach

  4. Regina, geb. 1710 in Schauerberg, Taufe in Kirchenarnbach

Paul und Apollonia Lambrech hatten es mit ihrer Schafwirtschaft in Schauerberg durch Verkauf von Wolle und Fleisch zu einem beachtlichen Wohlstand gebracht. In Schauerberg finden wir heute noch auf der Flurkarte den Flurnamen „Lambrechts Gärten“, der an diese Schäferfamilie aus dem Elsaß erinnert.

Paul Lambrech starb am 30.3.1725 in Schauerberg und wurde auf dem Friedhof von Kirchenarnbach begraben, da Schauerberg noch keinen Friedhof hatte. Paul Lambrech war etwa 60 Jahre alt geworden.

Die Sterbeurkunde lautet: „Annus Domini 1725: Die 30. Martii pie obiit in Domino omnibus S.S. Sacramentis Ecclesio rité munitus Paulus Lambrech ex Schauerberg et cometerio Kirchenarenbacensi in ritus catholico Sepultus requiescat in pace.“ Zu deutsch: „Im Jahre des Herrn 1725 am 30. März starb im Herrn, versehen mit den Sakramenten der Kirche, Paul Lambrech aus Schauerberg. Er wurde nach Kirchenarnbach geleitet und dort nach katholischem Ritus beerdigt. Er ruhe in Frieden.“

Seine Frau Apollonia starb auch in Schauerberg und wurde ebenfalls in Kirchenarnbach begraben.

Johann Jakob Lambrech war um 1703 in Schauerberg geboren. Später hatte er sich mit der Familie Ankner in Clausen angefreundet. Dort erscheint er in einer Taufurkunde als Taufpate bei der Familie Ankner, die zu den ersten fünf Familien gehörte, die sich nach dem 30jährigen Krieg in Clausen ansässig gemacht hatten. Im Jahre 1704 wohnten in Clausen erst zehn Familien. Mit wirtschaftlichen Zugeständnissen sollten deshalb Neusiedler angeworben werden. Ab 1727 wurden durch die Markgrafen von Baden jeder Bürgerfamilie in Clausen jährlich kostenlos drei Klafter (10,5 Ster) Brennholz aus Buchenwaldungen und ebenfalls unentgeltlich gutes Eichenholz zum Bau von Wohnhäusern, Scheunen und Stallungen zur Verfügung gestellt. Hinzu kam noch das Recht auf Waldweide. Unter den Neusiedlern, die nach 1727 nach Clausen kamen, war auch Johann Jakob Lambrech aus Schauerberg.

Im Jahre 1732 übersiedelte er von Schauerberg nach Clausen und erwarb dort das Bürgerrecht. In die Bürgerliste wurden nur unbescholtene Männer aufgenommen, die über ein Vermögen von mindestens 300 Gulden verfügten und dies auch nachweisen konnten. Johann Jakob Lambrech heiratete am 18.2.1732 die Bürgertochter Anna Margarita Ankner (geb. 9.10.1709 gest. 7.2.1776). Die Trauung fand in der Kirche zu Rodalben statt. Margarita war die Tochter von Johann Jakob Ankner und Anna Catharina Guckelberger. Der Großvater Andreas Ankner war mit seiner Frau Anna Margaretha um 1680 in Clausen eingewandert und war 1707 beim Waldroden von einem Baum erschlagen worden.

Johann Jakob Lambrechs Schwester Maria Walburga heiratete in Schauerberg (Trauung in Kirchenarnbach) am 24.11.1733 Johann Georg Leininger aus Siersthal bei Bitsch und übersiedelte mit ihm im Jahre 1736 ebenfalls nach Clausen.

Johann Jakob Lambrech ist der Stammvater der Clausener Linie Lambrecht, ebenso wie sein Schwager Johann Georg Leininger der Stammvater der Clausener Linie Leininger ist.

Ab 1762 verkaufte die badische Herrschaft ausgedehnte Ländereien, die infolge der langen Kriegszeit zu Ödland geworden waren, mit der Auflage, Ackerland daraus zu machen. Ein Morgen Ödland kostete neun Gulden. Wer Geld hatte und das Bürgerrecht besaß, konnte sich Land kaufen. Die Tatsache, daß in den Verkaufslisten jener Zeit Jakob Lambrech und seine ledigen Söhne Nikolaus, Anton und Jakob als Käufer vieler „Röderstücke“ stehen, deutet darauf hin, dass die Schafwirtschaft des Stammvaters Paul Lambrech in Schauerberg eine solide Grundlage für die Neusiedlerfamilie geschaffen hatte.

Johann Jakob Lambrech starb am 26.8.1763 im Alter von 60 Jahren und wurde auf dem Friedhof von Rodalben beerdigt, da Clausen noch keinen Friedhof hatte. Erst 1793 – beim Bau der ersten Kirche – wurde in Clausen (Ecke Hauptstraße und Blumengarten) ein Friedhof angelegt. Die Ehefrau Anna Margarita Ankner starb am 7.2.1776 und wurde ebenfalls in Rodalben beerdigt. Sie war 66 Jahre alt geworden.

Urkundlich können aus dieser Ehe sechs Kinder nachgewiesen werden:

  1. Anna Maria, geb. 1733

  2. Johann Nikolaus, geb.1737

  3. Catharina Elisabeth, geb. 1740

  4. Anton, geb. 1742

  5. Johann Jakob, geb. 1745

  6. Maria Veronika, geb. 1748 Alle sechs Kinder wurden in der Kirche von Rodalben getauft!

Der Sohn Anton Lambrecht (geb. 21.11.1742 gest. 29.6.1815) heiratete am 9.1.1770 die Bürgertochter Maria Magdalena Hochreiter aus Clausen (geb. 10.12.1741 gest. 15.5.1823). Die Trauung fand in der Kirche zu Rodalben statt.

Neben der Landwirtschaft betrieb Anton Lambrecht auch die Gastwirtschaft zum Löwen. In einer Auflistung aus dem Jahre 1793 – als Clausen 380 Einwohner zählte – werden folgende Gastwirte genannt:

Johann Helfrich, der Bärenwirt

Anton Lambrecht, der Löwen- und Bierwirt

Johann Jakob Germann, der Hirschwirt

Nur Anton Lambrecht war berechtigt, neben Wein und Branntwein auch Bier auszuschenken. – Der Löwenwirt Anton Lambrecht erlebte die französische Revolution und die Zugehörigkeit Clausens zur Französischen Republik hautnah in der eigenen Gastwirtschaft. Hier verkehrten die französischen Soldaten und später die Mandatsträger der Mairie und des Kantons, wenn sie in der Gemeinde ihren Geschäften nachgingen. Zunächst aber erlebte er den Revolutionskrieg in der eigenen Gemeinde: Am 25.4.1793 hatten 100 kurtrierische Jäger in Clausen Quartier bezogen, während in Leimen 78 preußische Husaren lagen. An der Landstraße nach Donsieders wurde eine Schanze gebaut, an der zeitweise bis zu 500 Handfröner aus Clausen, Merzalben und Leimen arbeiten mußten. Aber diese Schanze wurde nie verteidigt, weil die Streitmacht der Franzosen am 15.6.1793 von Rodalben über Merzalben nach Clausen kam. Bei ihrem Durchzug „ließen die Franzosen kaum noch ein Huhn oder eine Gans leben und aller Schnaps und Wein wurde in den Wirtschaften leergetrunken“. Die Bürger flohen mit ihrem Vieh in die Wälder. Nach dem Abzug der Franzosen gewährte der Markgraf von Baden den Gemeinden des Gräfensteiner Amtes eine Kriegsentschädigung. Dabei erhielten die geschädigten Gastwirte für den ausgetrunkenen Wein und Schnaps je 50 bis 80 Gulden. Die Auflistung der Gastwirtschaften aus dem Jahre 1793 wurde auf Grund der Plünderungen erstellt, sonst hätten wir diese statistischen Angaben heute nicht. Am 25.8.1796 kam es zwischen Frankreich und Baden zu einem Friedensvertrag. Das Gräfensteiner Amt wurde in die Französische Republik eingegliedert. 1798 wurde das Departement Donnersberg errichtet und Merzalben wurde Sitz des 27. Kantons. Nach dem Wiener Kongreß von 1815 kam das Land unter bayerische Herrschaft.

Anton Lambrecht starb am 29.6.1815 im Alter von 72 Jahren. Seine Frau Magdalena Hochreiter starb am 15.5.1823. Sie wurde 81 Jahre alt. Beide wurden auf dem Friedhof von Clausen beerdigt. Urkundlich sind aus dieser Ehe zwei Söhne bekannt:

  1. Georg Franz, geb. 1772

  2. Josef, geb. 1779 Beide Söhne wurden in der Kirche von Rodalben getauft!

Josef heiratete am 24.8.1802 in Rodalben die Bürgertochter Margaretha Michel. Die Eltern Heinrich Michel und Maria Anna Winkler waren die Besitzer der Brauerei Bendel in Rodalben. Josef Lambrecht hat in diese Brauerei eingeheiratet. Die Verbindung war durch die väterliche Bierwirtschaft zum Löwen entstanden, die das Bier aus der Brauerei Bendel ausschenkte. Als Brauereibesitzer belieferte Josef Lambrecht später auch die übrigen Wirtschaften in Clausen.

Der Sohn Georg Franz Lambrecht (geb. 19.2.1772 gest. 8.4.1850) heiratete um 1795 die Bürgertochter Franziska Germann (geb. 1777 gest. 18.11.1827) aus Clausen. Die Trauung fand in der Kirche zu Rodalben statt. Franz betrieb neben der Landwirtschaft weiterhin die väterliche Gastwirtschaft zum Löwen und eine Holzschuhmacherei, in der er mehrere Arbeiter beschäftigte. Deshalb nannte man ihn auch den „Klumpefranzel“.

Aus der Ehe mit Franziska Germann gingen 13 Kinder hervor:

  1. Georg Anton, geb. 1795 (verstorben im Alter von 14 Jahren)

  2. Franz Josef, geb. 20.1.1799

  3. Katharina, geb. 1.3.1801 Die ersten drei Kinder wurden in der Kirche von Rodalben getauft,

  4. Nikolaus, geb. um 1803

  5. Margaretha, geb. 10.3.1808

  6. Georg Jakob, geb. 1809

  7. Georg Anton, geb. 13.3.1811

  8. Maria Anna, geb. 10.10.1813

  9. Anton, geb. 22.1.1816

  10. Franziska, geb. 13.6.1818

  11. Georg, geb. 24.8.1821 (verstorben am folgenden Tag)

  12. Johann Adam, geb. 15.11.1823 (verstorben nach 8 Monaten)

  13. Johann, geb. 17.4.1826 die letzten zehn Kinder bereits in der neuerrichteten Kirche von Clausen!

Am 18.11.1827 war Franz Lambrechts Frau Franziska Germann im Alter von 50 Jahren gestorben. Danach heiratete er am 21.6.1830 die Witwe Maria Magdalena Schäfer geb. Engel (1781–1853), deren Mutter Maria Veronika eine Schwester vom Löwenwirt Anton Lambrecht war. Die Ehe mit seiner Kusine blieb ohne Nachkommen.

Die Tochter Katharina (geb. 1801) heiratete am 8.2.1820 Georg Valentin Buckel (1795–1842), dessen Vater Franz Josef Buckel (1757–1825) der letzte markgräfliche Jäger und Förster in Clausen war. Katharina führte mit ihrem Ehemann die elterliche Gastwirtschaft zum Löwen weiter, die heute noch als Gasthaus Buckel besteht, und damit seit zwei Jahrhunderten im Familienbesitz ist.

Ein Sohn von Franz Lambrecht wanderte nach Hammerfest in Norwegen aus und verlegte sich dort auf den Fischfang.

Der Sohn Nikolaus (geb. 1803) heiratete am 18.12.1828 Anna Maria Jacob aus Clausen und wanderte 1831 mit seiner Familie in die USA aus. Seine Tochter heiratete den Besitzer der Großbrauerei Delger in New York. Auch Lambrecht besuchte im hohen Alter seine drei Söhne in New York. Die Schiffspassage kostete 180 Gulden. Für die Hin- und Rückfahrt musste Franz Lambrecht 360 Gulden bezahlen. Er blieb drei Jahre in New York. Dann kehrte er wieder in die Heimat zurück. Im Jahre 1928 besuchte Johanns jüngste Tochter Addi die Clausener Verwandtschaft. Ihre Mutter war eine geborene von Fleischbein aus Blieskastel im Saarland.

Die Tochter Margaretha (1808 – 1835) heiratete am 24.7.1828 Franz Jakob Schmitt (1804 – 1861) und betrieb mit ihm die Gastwirtschaft zum Hirsch. Sie starb 1835 im Kindbett. Ihr Sohn folgte ihr 1836 im Alter von acht Monaten im Tode nach. Nach Margarethas frühem Tod heiratete Franz Jakob Schmitt am 24.11.1836 deren Schwester Franziska (1818 – 1873) und führte mit ihr die Gastwirtschaft zum Hirsch weiter, die anläßlich der Reichsgründung 1871 vom Schwiegersohn Franz Jakob Ventuleth in „Deutsches Haus“ umbenannt wurde. Auch dieses Gasthaus besteht heute noch und ist im Besitz der Familie Lickteig.

Franz Lambrecht ist der Erbauer von Buckels altem Haus, einem Fachwerkbau, der 1960 abgerissen wurde. Dies war sein Wohnhaus und zugleich die Gastwirtschaft zum Löwen. Er baute auch das Gasthaus zum Hirsch – heute Deutsches Haus – und „Wahners Haus“, heute das Wohnhaus von Otto Schneider, dessen Vorfahren von Beruf Wagner waren. Alle diese Häuser liegen im Ortsmittelpunkt.

Franz Lambrecht wurde auch durch sein mutiges Eintreten für die Demokratie bekannt. Anläßlich des „Hambacher Festes“ im Mai 1832, wo zum erstenmal schwarzrotgoldene Fahnen getragen und demokratische Freiheiten gefordert wurden, war Georg Franz Lambrecht zusammen mit mehreren Bürgern des Gräfensteiner Landes vor dem Schwurgericht in Zweibrücken „wegen revolutionärer Umtriebe“ angeklagt und zu vierzehn Tagen Haft verurteilt worden.

Als Georg Franz Lambrecht am 8.4.1850 starb, war er 78 Jahre alt geworden und konnte auf ein erfülltes Leben zurückblicken.

Der Sohn Franz Josef Lambrecht (geb. 20.1.1799 gest. 11.9.1868) war Landwirt. Er heiratete am 6.2.1826 in der Kirche zu Clausen Magdalena Nußbaum (geb. 1807 gest. 25.5.1837), deren Vorfahren den Hesselsberger Hof bei Clausen bewirtschafteten. Mütterlicherseits war sie eine Urenkelin des Stammvaters Johann Jakob Lambrech. Ihr Elternhaus steht im Hinterdorf (Hauptstraße 100) und wird heute von Max Peter Umla bewohnt. Franz Josef Lambrecht heiratete in dieses Haus ein. Aus der Ehe gingen sieben Kinder hervor:

  1. Georg, geb. 8.9.1826 gest. 8.4.1827 (7 Monate alt)

  2. Franz, geb. 29.8.1828 gest. 6.2.1840 (11 Jahre 5 Monate alt)

  3. Georg Anton, geb. 5.12.1830 gest. 2.2.1831 (2 Monate alt)

  4. Georg Anton, geb. 19.12.1831 gest. 11.5.1835 (3 Jahre 5 Monate)

  5. Franz Jakob, geb. 3.3.1834 gest. 2.6.1834 (3 Monate alt)

  6. Franz Josef, geb. 29.9.1835 gest. 1904 in USA (69 Jahre alt)

  7. Margaretha, geb. 24.5.1837 gest. 30.6.1837 (1 Monat alt)

Sechs Kinder starben im Kindesalter. Nur der Sohn Franz Josef blieb am Leben. Magdalena Nußbaum starb am 25.5.1837 im Alter von 30 Jahren.

Nach ihrem frühen Tod heiratete Franz Josef Lambrecht in zweiter Ehe am 6.7.1837 in der Kirche zu Clausen Barbara Ferber (geb. 31.12.1811 gest. 24.6.1886), deren Vater aus Martinshöhe zugezogen war. Das Ferber´sche Anwesen stand im Unterdorf (Hauptstraße 46) am heutigen Dorfplatz. Franz Josef blieb im Nußbaum´schen Haus wohnen. Dort kamen alle Kinder, auch aus der zweiten Ehe, zur Welt. Erst im Alter zog er in das Ferber´sche Wohnhaus im Unterdorf.

In der zweiten Ehe wurden vier Kinder geboren:

  1. Georg Jakob, geb. 6.5.1838 gest. 16.8.1910 (72 Jahre alt)

  2. Franz Jakob, geb. 6.9.1840 gest. 1.6.1841 (9 Monate alt)

  3. Franz, geb. 3.5.1842 gest. 19.12.1847 (5 Jahre 7 Monate alt)

  4. Maria Anna, geb. 19.9.1844 gest. 14.3.1853 (8 Jahre 6 Monate alt)

Drei Kinder starben im Kindesalter. Nur Georg Jakob blieb am Leben. Er wuchs zusammen mit seinem Bruder aus erster Ehe – Franz Josef – auf. Dieser heiratete 1859 seine Kusine Margaretha Schmitt (geb. 10.3.1836), die Tochter von Franziska Schmitt geb. Lambrecht aus der Wirtschaft zum Hirsch. Sie wohnten vier Jahre bei Vater und Stiefmutter im Nußbaum´schen Haus, wanderten aber 1863 nach USA aus, wo sie eine Farm bewirtschafteten. Franz Josef starb 1904 im Alter von 69 Jahren in USA. Die Ehe war ohne Nachkommen geblieben. Die Ehefrau Margaretha verkaufte die Farm und kehrte im September 1913 nach Clausen zurück und wohnte in ihrem Elternhaus, dem Gasthaus zum Deutschen Haus, bis zu ihrem Tod am 2.2.1926. Sie war nahezu 90 Jahre alt geworden.

Der Vater Franz Josef Lambrecht hatte es in Clausen als Landwirt zu Wohlstand gebracht. In der Steuerliste aus dem Jahre 1855 wird er als der fünftgrößte Steuerzahler aufgeführt. Er engagierte sich auch in der Ortspolitik und wurde 1835 bei der Verselbständigung der Gemeinde Clausen, die bisher von Merzahlben aus verwaltet wurde, als deren erster Adjunkt (heute Beigeordneter) gewählt. Er starb am 11.9.1868 im Alter von 69 Jahren. Seine Frau Barbara Ferber starb am 24.6.1886 im Alter von fast 75 Jahren. In ihrem Haushalt lebten noch ihre zwei ledigen Schwestern und ihr lediger Bruder Hans Adam Ferber, der Besitzer des Ferber´schen Anwesens.

Der Sohn Georg Jakob Lambrecht (geb. 6.5.1838 gest. 16.8.1910) war Landwirt und Holzhändler. Er fertigte hauptsächlich Wingertstiefel (schwere Eichenpfähle) für die Weinberge in der Vorderpfalz.

In der Steuerliste der Gemeinde Clausen aus dem Jahre 1891 erscheint er als der drittgrößte Steuerzahler. Am 14.7.1863 heiratete er Margaretha Wagner (geb. 16.6.1842 gest. 7.5.1929) aus Kröppen. Die Trauung fand in der Kirche zu Trulben statt. Der Vater Anton Wagner war Landwirt und Leinenweber und der höchstbesteuerte Bürger von Kröppen und dessen Ortsvorsteher. Die Mutter Magdalena Härig – aus Merzalben gebürtig – war ein Jahr nach Margarethas Geburt, die das 13. Kind ihrer Eltern war, gestorben. So wuchs Margaretha bei ihrer ältesten Schwester auf. Zur Brautschau war Georg Jakob zu Pferd nach Kröppen geritten.

In der Gemeinde Clausen hatte Georg Jakob Lambrecht viele Ehrenämter inne und war Schöffe beim Schwurgericht in Zweibrücken. Er wohnte mit seiner Familie im Ferber´schen Haus im Unterdorf, das er von seinem Onkel Hans Adam Ferber bei dessen Tode am 15.4.1883 erbte. Hand Adam war auch der Pate des ältesten Sohnes Michael.

Aus der Ehe von Georg Jakob Lambrecht und Margaretha Wagner gingen zehn Kinder hervor, die alle ein hohes Alter erreichten:

1. Michael geb. 3.5.1864 in Clausen

gest. 18.4.1943 in Karlstadt/Main

beerdigt in Clausen

2. Magdalena geb. 5.2.1866 in Clausen

verh. Weber gest. 14.10.1936 in Ludwigshafen

3. Christian geb. 12.2.1868 in Clausen

gest. 2.3.1940 in Weißenhorn/Bayern

beerdigt in Clausen

4. Wilhelm geb. 7.3.1870 in Clausen

gest. 31.8.1953 in Hammelburg/Bayern

beerdigt in Ludwigshafen

5. Maria geb. 6.7.1872 in Clausen

verh. Bettinger gest. 2.9.1937 in Donsieders

6. Margaretha geb. 21.5.1874 in Clausen

verh. Germann gest. 28.8.1946 in Kandel

7. Jakob geb. 27.10.1876 in Clausen

gest. 9.9.1960 in Clausen

8. Franz geb. 22.12.1878 in Clausen

gest. 13.5.1953 in Pirmasens

9. Johann geb. 20.6.1881 in Clausen

gest. 21.4.1959 in Clausen

10. Katharina geb. 17.4.1884 in Clausen

verh. Wagner gest. 20.1.1954 in Karslruhe

Alle Söhne waren Soldaten: Michael im 18.bayer. Inf.-Rgt. Landau, Christian ebenfalls im 18.bayer. Inf.-Rgt. Landau, Wilhelm im bayer. Inf.-Leib-Rgt. München, Jakob im 4.bayer. Inf.-Rgt. Metz, Franz im 22.bayer. Inf.-Rgt. Zweibrücken, Johann im bayer. Train-Btl. Würzburg. Die Söhne Wilhelm, Jakob, Franz und Johann waren Kriegsteilnehmer im 1. Weltkrieg, während Michael und Christian bei Kriegsausbruch bereits das wehrpflichtige Alter überschritten hatten. Der 1. Weltkrieg forderte auch ein Opfer aus der Familie: Michaels Sohn Wilhelm (geb. 9.2.1895) gilt seit dem 22.9.1916 nach einer Verwundung am Rotenturmpaß in Rumänien als vermißt. Er gehörte zum 2.bayer. Jäger-Btl. Aschaffenburg.

Georg Jakob Lambrecht erkannte die Zeichen der Zeit und riet seinen Söhnen, nicht die Landwirtschaft oder den Holzhandel weiterzutreiben, sondern in die damals aufkommende Schuhfabrikation einzusteigen. Deshalb entschlossen sich der älteste Sohn Michael Lambrecht (geb. 3.5.1864) und sein Schwager August Weber aus Donsieders (geb. 16.9.1862) – der Ehemann von Magdalena Lambrecht (geb. 5.2.1866) – zur Gründung der ersten mechanisch betriebenen Schuhfabrik in Clausen unter dem Firmennamen „Lambrecht & Weber“. Die Fabrikationsstätte entstand im Jahre 1890 auf dem elterlichen Grundstück, dem ehemaligen Ferber´schen Anwesen. Alle Geschwister arbeiteten in der Schuhfabrik mit, bis sie heirateten oder sich selbständig machten. Auch der Vater Georg Jakob Lambrecht unterstützt das Familienunternehmen durch pferdebespannte Transporte zur Bahnstation Rodalben und zu den Lederhändlern in Pirmasens. Im Jahre 1905 erscheint die Firma „Lambrecht & Weber“ in der Steuerliste der Gemeinde Clausen als der größte Steuerzahler. Damals wurden in dem Betrieb hundert Arbeiter beschäftigt. Die Industrialisierung trug auch zum Wachstum der Gemeinde bei, die sich innerhalb der 15 Jahre seit der Gründung des Betriebs von 700 auf 1000 Einwohner vergrößert hatte. Den ersten Telefonanschluß in Clausen erhielt die Firma „Lambrecht & Weber“ im Jahre 1906 unter der Rufnummer 11 im Amt Waldfischbach.

Später errichtete Christian Lambrecht (geb. 12.2.1868) ebenfalls eine mechanisch betriebene Schuhfabrik in Clausen. Diese fertigte hauptsächlich Kinder- und Jugendschuhe.

Maria Lambrecht (geb. 6.7.1872) erbaute 1896 im Nachbarort Donsieders zusammen mit ihrem Ehemann Jakob Bettinger (geb. 18.7.1866) aus Schmitshausen eine Gastwirtschaft mit einer Bäckerei, die heute noch besteht.

Margaretha Lambrecht (geb. 21.5.1874) erbaute 1900 an Stelle des elterlichen Wohnhauses mit ihrem Ehemann Philipp Germann (geb. 5.4.1872) aus Bann die Gastwirtschaft zum Pfälzer Wald mit einer Bäckerei. Dieses Anwesen ging 1927 durch Verkauf an Fritz Matheis aus Rodalben über.

Georg Jakob Lambrecht starb am 16.8.1910 im Alter von 72 Jahren in Clausen. Seine Frau Margaretha Wagner starb am 7.5.1929 im Alter von 87 Jahren bei ihrer Tochter Maria verh. Bettinger in Donsieders und wurde in Clausen beerdigt..

Im Jahre 1935 lesen wir in der Halbmonatsschrift „Die Pfalz am Rhein“:

Eine pfälzische Familie zählt 612 Jahre

Auf der Suche nach einem neuen Weltrekord waren ausländische Zeitungen damit beschäftigt, die „älteste Familie der Welt ausfindig zu machen. In Belgien fing es an mit einer Familie, die auf 487 Jahre zurückblicken konnte. Bald darauf kam England mit über 500 Jahren. Schließlich war man bei dem vorläufigen Weltrekord angelangt. Ein hochbetagtes Elternpaar in Norwegen mit neun lebenden Kindern brachte es auf 574 Jahre. Aber die Weltrekordsucher hatten die Pfalz vergessen. Mitten im Pfälzer Wald, in der Gemeinde Clausen, wohnt eine alte angesehene Familie namens Lambrecht, die nach der „Statistik“ der ausländischen Blätter den Rekord als „älteste Familie der Welt“ für sich beanspruchen darf. Hochbetagte Eltern hinterließen zehn Kinder, die heute noch alle am Leben sind. Es sind sechs Brüder und vier Schwestern von zusammen 612 Lebensjahren.Alle Geschwister leben in der Pfalz.

Gasthaus seit 200 Jahren im Familienbesitz

1. Anton Lambrecht, geb. 1742 gest. 1815

Ehefrau Maria Magdalena Hochreiter

Gastwirt zum Löwen, erste urkundliche Erwähnung im Jahre 1793.

Nur er ist in Clausen berechtigt, außer Wein und Branntwein auch Bier auszuschenken.

Bierlieferant: Brauerei Bendel in Rodalben; ab 1802 im Besitz von Josef Lambrecht,

einem Sohn des Löwenwirtes Anton Lambrecht.

2. Georg Franz Lambrecht, geb. 1772 gest. 1850

Löwenwirt,

Ehefrau Franziska Germann

3. Katharina Lambrecht, geb. 1801

heiratet 1820

Georg Valentin Buckel, geb. 1795 gest. 1842

Löwenwirt.

4. Franz Jakob Buckel, Adjunkt, geb. um 1824

Löwenwirt

Ehefrau Anna Maria Ziegler

5. Nikolaus Buckel, geb. 1856 gest. 1910

Gastwirt zum Storchen,

Ehefrau Franziska Matheis

Bierlieferant: Brauerei Schwarz-Storchen in Speyer

6. Nikolaus Buckel, geb. 1885 gest. 1936

Gastwirt zur Heidelsburg,

Ehefrau Amalia Helff

Bierlieferant: Park- und Bürgerbräu in Pirmasens

7. Maria Buckel, geb. 1920

heiratet 1949

Michael Petry, geb. 1914

Gasthaus Buckel.

M.W. 1988

Wenn ich das geschaffte habe, werde ich als nächstes die Organisation eines Familientreffens im nächsten Jahr in Angriff nehmen. Das letzte liegt schon einige Jahre zurück. Die Teilehmerzahl lag damals bei ca. 100 Familienmitgliedern. Wenn es richtig angepackt wird und mit Unterstützung des Internets müsste es möglich sein, diese Zahl noch zu übertreffen – mal sehen!

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